Lungen-Transplantationen – Das sollten Sie wissen
Die Lunge und ihre Erkrankungen
Das Thema Lungentransplantation ist für Patienten, die rund um die Uhr auf Sauerstoff angewiesen sind, ständig gegenwärtig. Allerdings ist das Wissen über die Lungentransplantation im Gegensatz zur Transplantation anderer Organe, wie Herz, Nieren, Leber und Knochenmark, noch nicht sehr weit verbreitet. Dabei hat sich die Lungentransplantation, dank enormer medizinischer und wissenschaftlicher Fortschritte, in den vergangenen 15 bis 20 Jahren zu einer etablierten Therapie für Patienten mit Lungenerkrankungen im Endstadium entwickelt.
Tatsächlich ist es mit Beginn der Einführung des Immunsuppressivums Ciclosporin Anfang der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts möglich geworden, erfolgreich Lungentransplantationen durchzuführen. Seitdem ist die Zahl der weltweit vorgenommenen Lungentransplantationen sprunghaft angestiegen. Darunter fallen sowohl Einzellungentransplantationen (die Verpflanzung eines Lungenflügels) als auch Doppellungentransplantationen (die Verpflanzung beider Lungenflügel). Insgesamt erfolgten in den vergangenen Jahren zirka 10.000 Lungentransplantationen weltweit, davon mehr als 900 in Deutschland und davon wiederum mehr als 500 an der Medizinischen Hochschule Hannover.
Indikationen
Grundsätzlich kommen für eine Lungentransplantation Patienten mit einer Lungenerkrankung im Endstadium in Betracht, bei denen die medikamentöse Therapie ausgeschöpft und die Lebenserwartung durch die Erkrankung im Allgemeinen auf weniger als zwei bis drei Jahre begrenzt ist. Indikationen zur Einzellungentransplantation sind vor allem bestimmte Formen der Lungenüberblähung (Emphysem) sowie die Lungenverhärtung (idiopathische pulmonale Fibrose). Doppellungentransplantationen erfolgen vor allem bei Vorliegen einer Mukoviszidose (eine angeborene Erkrankung, bei der Körpersekrete sehr zähflüssig sind und in den Lungen zur Verstopfung der Luftwege führen), eines primären Lungenhochdrucks, einer Lungenüberblähung mit starker Atemeinschränkung (Globalinsuffizienz) und häufig auftretenden Infektionen sowie einer Lungenverhärtung mit häufig auftretenden Infektionen.
Die Altersgrenze für Einzellungentransplantationen liegt je nach Allgemeinzustand des Patienten derzeit bei ungefähr 65 Jahre, Doppellungentransplantationen können bei Patienten bis rund 60 Jahre durchgeführt werden. Vorausgesetzt werden dabei ein ausreichender Muskelstatus sowie eine angemessene Herzfunktion ohne erhebliche Herzkrankheit.
Kontraindikationen
Liegen zusätzliche Erkrankungen oder psychosoziale Faktoren vor, die entweder ein vitales Risiko bei der Transplantation darstellen oder den längerfristigen Transplantationserfolg mindern, kann eine Transplantation nicht vorgenommen werden. Die Kontraindikationen sind in den Richtlinien für die entsprechenden Wartelisten der Bundesärztekammer festgeschrieben.
Derzeitige Kontraindikationen für eine Lungentransplantation sind nachfolgend aufgeführte Begleiterkrankungen:
- Klinisch deutlich erkennbare Infektionserkrankungen
- Akute Lungenembolie
- Fortgeschrittene irreversible Niereninsuffizienz
- Nicht kurativ behandelte Tumorerkrankung
- Bestimmte Systemerkrankungen wie Amyloidose (Gewebsentartung)
- Fortgeschrittene zerebrale/periphere arterielle Gefäßerkrankungen
- Bestehender schwerer Nikotin,- Alkohol- oder sonstiger Drogenmissbrauch
Darüber hinaus wird eine Transplantation abgelehnt, wenn der potenzielle Organempfänger nicht bereit und fähig ist, an den vor und nach einer Transplantation erforderlichen Behandlungen und Untersuchungen mitzuwirken. Diese Bereitschaft (Compliance) ist Grundvoraussetzung für den Erfolg jeder Transplantation, wie jeder anderen ärztlichen Behandlung auch. Daher ist die Erfolgsaussicht nach dem Transplantationsgesetz entscheidendes Kriterium der Organzuteilung und die Compliance trotz der Schwierigkeiten ihrer Beurteilung bei der Entscheidung über die Aufnahme in die Warteliste zu berücksichtigen. Anhaltend fehlende Compliance schließt die Transplantation aus. Bevor aber deswegen die Aufnahme in die Warteliste endgültig abgelehnt wird, ist der Rat einer psychologisch erfahrenen Person einzuholen.
Die Entscheidung über die Aufnahme in die Warteliste für eine Organtransplantation muss auch bei Patienten mit HIV nach Prüfung aller Einzelumstände erfolgen. Die Deutsche AIDS-Hilfe und die ausführenden Transplantationszentren sollen über die Organtransplantationen bei Menschen mit HIV jährlich einen Bericht vorlegen.
Die Lungentransplantation
Der ideale Zeitpunkt für die Transplantation ist nicht immer leicht festzulegen und hängt vom individuellen Krankheitsverlauf ab. Viele der oben genannten Krankheiten zeigen lange einen relativ langsam fortschreitenden Verlauf, bei welchem sich jedoch eine plötzliche Beschleunigung mit rascher Verschlechterung des Zustands des Patienten zeigt. Wichtige Hinweise für eine erforderliche Transplantation sind ein zunehmender Sauerstoffgebrauch – die meisten Patienten stehen bereits unter einer Sauerstoff-Dauertherapie -, häufige Krankenhausaufenthalte, drohende Bettlägerigkeit und insbesondere zunehmender Gewichtsverlust trotz optimaler Ernährung. Wenn die Entscheidung zur Transplantation gefallen ist, beginnt für den Patienten die Wartezeit mit dem Telefon, das rund um die Uhr die Erreichbarkeit des Patienten gewährleistet. Derzeit beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf ein Spenderorgan zirka zwölf bis 24 Monate.
Ist eine geeignete Spenderlunge gefunden, erfolgt die Transplantation über die Öffnung des seitlichen Brustkorbs im vierten bis fünften Rippenzwischenraum. Der alte Lungenflügel wird dann behutsam entfernt und die Spenderlunge an die verbliebenen Stümpfe der Lungengefäße und des Hauptbronchus genäht. Während dieser Zeit wird der Patient über seinen verbliebenen Lungenflügel beatmet. Eine solche Operation dauert im Durchschnitt vier Stunden.
Bei der Doppellungentransplantation erfolgt der Zugang zum Brustkorb meist auch über einen Schnitt an dem seitlichen Brustkorb direkt unter Brust. Zunächst wird, wie bei der Einzellungentransplantation, ein Lungenflügel verpflanzt. Danach wird die gleiche Operation für den zweiten Lungenflügel in analoger Technik durchgeführt. Dabei wird wechselseitig über den jeweils verbliebenen Lungenflügel beatmet. In Fällen, in denen eine Beatmung über den verbliebenen Lungenflügel während der Operation nicht möglich ist, sorgt der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine für die Aufrechterhaltung des Gausaustauschs. Die Operationszeit beträgt hier etwa sechs Stunden.


